THUNDERBIRDS eroberte 1964-1966 die Welt. Farbe, 32 Episoden á 50 Min. - eine AP Films Produktion in Zusammenarbeit mit ATV, für ITC World-Wide Distribution. Created by: Gerry & Sylvia Anderson; Executive Producer: Gerry Anderson; Producer: Reg Hill; Director of Photography: John Read; Art Director: Bob Bell; Special Effects: Derek Meddings; Puppetry Supervision: Christine Glanville und Mary Turner; Character Visualisation: Sylvia Anderson; Music: Barry Gray.

Die FamilieDie THUNDERBIRDS waren das erste mal im deutschen Fernsehen am 23.9.1968 zu sehen. Die ARD zeigte unter dem Titel: DONNERVÖGEL - Gefährliche Landung, die einzelne Episode 'Trapped in the Sky' (Dies war auch die originale Pilotfolge). Der Serienstart in Deutschland war erst Jahre später, nämlich am 11.4.1971 auf NDR3. Hier gab es allerdings nur 6 Episoden zu sehen. Erst 1989 wurden alle Episoden vom WWF (WDR Mediagroup) 'neu' synchronisiert und vom WDR teilweise ausgestrahlt. 1995/96 folgte dann eine komplette Austrahlung aller Episoden auf KABEL1.

THUNDERBIRDS ist wohl die bekannteste Gerry Anderson Supermarionation-Serie. Sie wurde in fast 100 Länder verkauft.
Wir befinden uns im Jahr 2026, 2063 oder 2067 - hier teilen sich die Meinungen, da es verschiedene Anhaltspunkte dazu gibt. International Rescue heißt die Organisation des Vaters Jeff Tracy und seinen fünf Söhnen: Scott (TB1); Virgil (TB2); Alan (TB3); Gordon (TB4) und John (TB5) (nach den ersten 5 Astronauten benannt). Sie werden unterstützt von dem Genie Brains, der alle Thunderbirds-Maschinen und jegliches weiter Equipment, entworfen hat;

Lady Penelope Creighton-Ward - die wunderschöne Lady und Geheimagentin aus England mit ihrem grandiosen Chauffeur Aloysius 'Nosey' Parker. Auf der geheimen Basis von International Rescue, einer Insel im Atlantik, leben außer Jeff Tracy und seinen fünf Söhnen: Kyrano - Jeff's treuer Diener und der Vater von Tin-Tin - eine Elektronic-Expertin und Mitarbeiterin von Brains; und zu guter letzt Grandma - Jeff's Mutter, die stets für das leibliche Wohl der gesamten Manschaft sorgt.
Neben den vielen, dramatischen Unglücken, die sich jedesmal ereignen, gibt es auch noch einen Bösewicht der immer wieder versucht, an die geheimen Konstruktionspläne der Thunderbirds heranzukommen - Hood ist sein einfacher Name und er ist ein Halbbruder von Kyrano!TB 2

Sylvia´s Idee der Tracy Familie (Vater mit fünf Söhnen), entsprang der Serie 'Bonanza'. Auch in dieser Serie wollten die Anderson´s wieder das 'Laufen' der Puppen umgehen. Im angehenden Zeitalter der Technik, in dem viele Menschen von der 'Automation-von-Dingen' träumten, hatte Gerry die Idee für einige raffinierte Mechanismen, um die 5 Brüder zu ihren Maschinen zu bringen. Wenn Vater Jeff Tracy (der Lorne Greene nachempfunden war) sagte: 'Thunderbirds Are Go', stand Scott (der Sean Connery nachempfunden war) mit dem Rücken an einer Art Drehtür (er hielt sich dabei an zwei Wandlampen fest). Nachdem sich die Tür um 180 Grad gedreht hatte, brachte eine teleskopeartige Rampe ihn zu Thunderbird 1.
Auch Virgil stand mit dem Rücken zur Wand. Diese kippte allerdings um 90 Grad nach hinten, und Virgil gleitete, mit dem Kopf voran, auf einer Rutsche - wo er zwischendurch nocheinmal gedreht wurde - hinunter in Thunderbird 2, wo er automatisch auf seinem Steuersitz landete. Kurz danach kam aus dem Boden des 'Vogels' noch sein International Rescue Outfit! (Diese Sequenz zu drehen, war eine der aufwendigsten überhaupt).
Wenn Thunderbird 3 gefragt war, saß meistens Alan (der Robert Reed nachempfunden war) und der oder die jeweilige Co-PilotIn schon auf dem Wohnzimmersofa, welches sogleich im Boden verschwand, um hinunter in den 'Keller' zu fahren.

Hier 'landete' es mitsamt seiner Crew auf einem Schienenfahrgestell. Dieses fuhr dann zur Startrampe von Thunderbird 3. Direkt unter dem 'Vogel' angekommen, wurden Pilot und Co-PilotIn, mitsamt dem Sofa, hydraulisch bis in den ersten Kontrollraum von Thunderbird 3 hinauftransportiert. Sie mussten allesamt nicht ein einziges 'Bein' bewegen!
Überall, in den verschiedenen Episoden, war der zukunftsorientierte Zeitgeist zu sehen. Da waren z.B. die elektrischen Schiebetüren; das Funksprechgerät in Lady Penelope´s Teekanne; das Videophone - sogar in der Armbanduhr; Maschinen, die vorne eine Schneise in den Wald schlagen und hinten gleich die fertige Straße asphaltieren - inklusive weißer Mittellinie! Der pinkfarbene Rolls Royce FAB1 - 6 Räder, Kugelsicher, diverse Waffen an Bord, der Fahrer (Parker) saß in der Mitte und hatte keine Rückspiegel sondern Heck-Kameras mit Monitor.Der elektronische 'Schafe-Zähler' (Atlantic Inferno) oder der 'Pressluftantrieb', im Rucksack eingebaut, um Skiläufer wieder den Berg hinauf zu bringen (The Cham-Cham) und eine Formel, mit der man aus Meerwasser Treibstoff herstellen kann! (The Perils Of Penelope).

Als die Pilotepisode 'Trapped In The Sky' - von Gerry und Sylvia in ihrem Ferienhaus in Portugal geschrieben - fertig war, ging Gerry mit dieser ebenfalls 25 Minuten Episode zu Lew Grade. Nachdem Lew Grade sie angesehen hatte, sagte er: "Dies ist keine Fernsehserie, es ist ein richtiger Film! Ich möchte jede Episode 60 Minuten lang!" Dies versetzte Gerry in Freude und Schock zugleich. Die ersten 8 Episoden waren bereits abgedreht. Die Scripts mussten umgeschrieben und zusätzliches Filmmaterial gedreht werden. "Das gute daran war, wir hatten in jeder Episode mehr Zeit, die Figuren zu entwickeln." (G.A.)
In Amerika wurden die Episoden allerdings in zwei hälften á 25 Min. gezeigt . . .

Sylvia war für die Ausarbeitung der Charaktere verantwortlich, für deren Aussehen und deren Stimmen. Wenn ein Script geschrieben und von Gerry und Sylvia 'abgesegnet' war, mussten zuerst die verschiedenen Marionetten-Köpfe gefertigt werden, die für die jeweiligen Rollen oder Szenen benötigt wurden. Dann wurden alle Dialoge aufgenommen. Ein Sprecher (oftmals Schauspieler) sprach bis zu 4 verschiedene Figuren. Sylvia Anderson sprach die Stimme von Lady Penelope - die übrigens Sylvia selbst nachempfunden war. (Sylvia erfuhr dies allerdings erst Monate später, in einem Interview mit Mary Turner. "Wir wollten eine elegante Blonde und Sylvia war die Richtige dafür" (Mary Turner)

Da ein Großteil der Figuren 'amerikanisch' waren sollten wenigstens Lady Penelope und Parker 'britisch' sein. Um den amerikanischen Eindruck von England zu unterstreichen war die englische Agentin eine 'Lady' mit einem entsprechendem Anwesen - ihr Chauffeur Parker ein 'Cockney' sprechender Ex-Dieb, der schon mal 'gesessen' hatte. Die Idee zu Parker´s seltsamer Sprachweise kam Gerry in einem Pub (King´s Arms in Cookham), indem er und sein Team öfter zum Lunch waren. Einer der Kellner - Arthur - sprach dieses seltsame Englisch, und Gerry schickte David Graham (die Stimme von Parker) in diesen Pub, um Arthur´s Sprache zu studieren.



Derek Meddings und sein Team perfektionierten abermals die Special Effects. Für Start- und Landesequenzen von Flugzeugen (ebenso für schnelle Autofahrten), entwarf er die 'Rolling Road' und den 'Rolling Sky'. Dies bedeutet, dass das Flugzeugmodell, an Fäden befestigt, auf der Stelle steht und die Fahrbahn darunter, sich ebenso wie der Hintergrund bewegt. Da der Hintergrund sich schneller als der Boden bewegt, entsteht für den Betrachter ein sehr realistischer Eindruck. Nun wird nur noch das Modell langsam nach oben gezogen, und man hat den Eindruck, es würde wirklich losfliegen! (Diese Technik wurde später zum Standard in der Filmindustrie).
Auf kleinste Details wurde geachtet. Alle Modellautos hatten keine Nummernschilder, da diese (in England) Aufschluss über das Jahr gegeben hätten! Fahrzeugmodelle, welche im Vordergrund zu sehen waren (Modelle im Hintergrund waren oft von DINKY, CORGY oder MATCHBOX), wurden meist komplett angefertigt und mit Teilen aus Kauf-Bausätzen verfeinert.  Einigemale wurden auch komplette Kauf-Bausätze verwendet (Flugzeuge, Panzer oder PKW´s) und entsprechend umgestaltet. Die Spielzeugläden in der Umgebung des Studios wurden oftmals leergekauft!
Wenn, bei Naheinstellungen der Kamera, Knöpfe gedrückt, Schubladen geöffnet oder kleine Gegenstände vom Tisch aufgenommen wurden, waren 'richtige' Hände zu sehen. (Durch Vorgaben seitens der Gewerkschaft musste Gerry später extra 'Hand-Artists' hierfür einstellen!)
Die Gesichter der Marionetten wurden nochmals verfeinert, und für einige Szenen wurden die ersten, von unten gesteuerten Puppen entwickelt (wie später die Muppets).

Das kurze 'F-A-B' übrigens, welches sich die Söhne oft - anstelle von 'Roger' - über Funk zurufen, ist die Abkürzung für Fabulous ! Was soviel wie Phantastisch heißt und in den sechziger Jahren, in England, ein Modewort war.

Eine von vielen kleinen Anekdoten möchte ich noch erwähnen. Für die Episode 'Attack Of The Alligators' wurden echte Baby Kaimane verwendet. Sie waren ca. 1,5 m lang und bewegten sich kaum. Die Hitze im Studio machte sie noch lethargischer. Derek Meddings hob den Deckel einer Box und sah ein weit geöffnetes, mit blitzenden Zähnen gespicktes, Maul. Er sagte: "Oh, diesen hier sollten wir nicht nehmen," und schloss den Deckel. In einer Szene sollte ein Krokodil ein Boot jagen. Derek stieg mit dicken Anglerhosen in das große Wasserbecken und griff das Seil, mitdem der Hals und die vorderen Beine, des Krokodils zusammengebunden waren. "Ich zog das Seil in Richtung der Kamera, aber kein Widerstand war zu spüren. Ich zog weiter und weiter und hatte das Ende in der Hand. Das Krokodil hatte sich befreit und schwamm im Becken herum! Wie ein Senkrechtstarter schoss ich aus dem Becken und landete auf dem Studioboden." Die kleinen Krokodile waren eigentlich harmlos, obwohl einer von ihnen Lady Penelope ein Bein wegschnappte - mitsamt der pink Sandalette!

Hier ein kurzes Video über den "Rolling Sky" und das Filmen von Unterwasseraufnahmen.



AP Films war nun zu einer erfolgreichen, großen Firma angewachsen. Sie hatten 200 fest angestellte Mitarbeiter und viele Selbstständige. Die Produktionskosten einer Episode lagen bei 22.000 Pfund Sterling. Das Studio hatte einen Jahresumsatz von 1 Million Pfund Sterling. THUNDERBIRDS wurde weltweit ein Riesenerfolg. Es war Lew Grade´s Idee diesen Erfolg auf die Kinoleinwand zu bringen. Die Reise zu anderen Planeten war in diesen Tagen ein großes Thema und die Spekulationen über Leben auf dem Mars ebenso. Eine Reise zu diesem Planeten daher die passende Geschichte.

"Ich hatte eines meiner üblichen Treffen mit Lew Grade und dachte, wir würden über weitere Thunderbirds-Episoden reden. Ich war voller Ideen, daher traf mich diese Nachricht wie eine Bombe! Lew sagte: "Ich denke, es ist Zeit eine neue Serie zu machen." Mein Traum vom 'Mini-Hollywood' in England ging zuende.
Einige Zeit später, nachdem ich mich von dem Schock erholt, hatte ich eine Idee (ursprünglich für eine Serie mit 'richtigen' Schauspielern) für eine Story, in der der Held - am Ende der ersten Episode - stirbt . . . und wiederkehrt.

Es entstand:  CAPTAIN SCARLET AND THE MYSTERONS